*Filmfestival* In Between – Bar Bahar

Mittwoch 28. Oktober 2020, 20.00 Uhr

*Filmfestival* In Between – Bar Bahar

Von Maysaloun Hamoud, Israel, 2016, 105 Minuten, Arabisch/d
Filmgespräch mit Marlène Schnieper, Journalistin, Buchautorin und ehemalige Nahostkorrespondentin

Drei Frauen teilen sich im pulsierenden Herzen von Tel Aviv ein Appartement. Sie sind hin- und hergerissen zwischen der Lust, Karriere zu machen, sich zu verlieben, auszugehen, zu verführen und zu studieren. Auf den ersten Blick nichts Aussergewöhnliches. Bis auf eines: Sie sind, wie die Regisseurin Maysaloun Hamoud, Palästinenserinnen aus Israel. Diese Bevölkerungsgruppe lebt eingezwängt im unbequemen Zwischenbereich zweier Identitäten. Was viele in Israel für unvereinbar halten, hat ein Teil der jungen Generation, wie die drei Frauen, mit einer Mischung aus Wut und Spott auf ihre Fahne geschrieben. Alle drei vollführen den Balanceakt zwischen Tradition, Moderne, Nationalität, Kultur, Gefolgschaft und Freiheit. 

«Vieles ist im Arabischen Frühling fehlgeschlagen, aber dieser Film ist eine seiner späten, gelungenen Blüten.(…) Nicht Nahostkonflikt, nicht Besatzung sind Thema, nein, Ausbruch aus tradierten Rollenvorstellungen, persönliche Emanzipation, die Widersprüche des Lebens der drei Protagonistinnen.» Frankfurter Rundschau

*Filmfestival* For Sama

Donnerstag 29. Oktober 2020, 20.00 Uhr

*Filmfestival* For Sama

Von Waad al-Kateab und Edward Watts, Syrien, 2019, 95 Minuten, Arabisch, d/f
Skype-Interview von Georges Wyrsch mit der Regisseurin

Der Film beginnt mit einem Chaos von unter Bomben aufgenommenen Bildern. Die Kamera sucht das Baby Sama. ‹In welches Leben habe ich dich gebracht?›, fragt die Filmemacherin ihre kleine Tochter im Off. Sie blendet zurück zu freudigeren Bildern von 2012: Studierende demonstrieren, protestieren gegen die Politik von Baschar al-Assad. Die Euphorie endet abrupt. Folteropfer, Leichen treiben auf dem Fluss. Viele sind seither aus Aleppo geflüchtet, Waad aber bleibt bei Hamza. Er richtet provisorisch ein Krankenhaus in einem Keller ein. Verwundete jeden Alters kommen an: Sie hört nicht auf zu filmen, hält die Kamera auf den Schrecken wie den Mut der Ärzte und Pflegenden, die retten, wer gerettet werden kann. !Der Film zeigt die harte Kriegsrealität – aufwühlend, teilweise gar brutal, gleichzeitig voll lebendiger Zuversicht. Die Gewalt der einen unterstreicht die Grosszügigkeit der anderen.

«Es gab ganz einfach noch keinen Film wie diesen. – Das ist einer der wichtigsten Filme, den Sie je sehen werden in Ihrem Leben.»  The Times

*Filmfestival* Kurzfilm und Konzert

Freitag 30. Oktober 2020, 20.00 Uhr

*Filmfestival* Kurzfilm und Konzert

Von Andreas Muggli, Schweiz, 2018, 23 Minuten, Oromo, d/f 

Hamama & Caluna

Zwei junge Freunde, Hamama und Caluna, müssen in ihrer Heimat alles hinter sich lassen. Sie stranden in einer Zeltstadt in Como und beschliessen, bei Nacht und Nebel die Schweizer-Grenze über die Alpen zu passieren. Alles in der Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit und Freiheit. Der Kurzfilm von Andreas Muggli entstand als Abschlussarbeit an der Hochschule Luzern, lief erfolgreich an internationalen Festivals, erhielt Preise am Festival du Réel in Nyon, am Festival Milano und wurde 2019 in der Kategorie ‹Bester Abschlussfilm› für den Schweizer Filmpreis nominiert.

Albin Brun und Kristina Brunner

Zwei Seelenverwandte der zeitgenössischen Volksmusik haben sich zu einem generationen- und grenzüberschreitenden Duo gefunden. Albin Brun setzt sich in seinem Schaffen mit Einflüssen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen auseinander, bereiste mit seiner Musik die halbe Welt und entwickelte über viele Jahre einen eigenen unverkennbaren musikalischen Stil. Kristina Brunner machte sich mit ihrem virtuosen Spiel auf Cello und Schwyzerörgeli einen Namen. Im Spannungsfeld von Nähe und Ferne schaffen die beiden eine magische Klangpoesie und intime Zwiegespräche. Lassen Sie sich überraschen von der mitreissenden Spielfreude und der musikalischen Offenheit, mit der das Duo melodiös, verspielt, virtuos und berührend auf den Kurzfilm und sein Thema reagiert.

*Filmfestival* Nuestras Madres

Samstag 31. Oktober 2020, 20.00 Uhr

*Filmfestival* Nuestras Madres

Von César Díaz, Guatemala, 2019, 77 Minuten, Spanisch, d/f
Filmgespräch mit Meret Ruggle trigon-film

Guatemala, während dreissig Jahren ein Land im Bürgerkrieg. Ernesto, ein junger Forensiker, setzt die aus Massengräbern geborgenen Skelette zusammen, soll herausfinden, wessen Knochen es sind. Eines Tages bittet ihn eine ältere Frau, im Dorf ein Grundstück zu durchsuchen, auf dem sie die Überreste ihres Mannes wähnt, der vor vielen Jahren nach einem Militärangriff verschwand. Sie zeigt ihm ein Foto, darauf glaubt er die Züge seines Vaters zu erkennen, der als Guerillakämpfer zu den Verschollenen gehört. Seine Mutter spricht nie darüber. Ernesto macht sich auf den Weg. César Díaz gestaltet seine Erzählung zurückhaltend, sie spielt vor dem Hintergrund eines Prozesses, in dem Frauen über die erlittenen Misshandlungen aussagen müssen. Es geht um späte Gerechtigkeit: Die Suche wird von privaten Initiativen durchgeführt, weil die Behörden weitermachen und vergessen wollen.

«Auch eine Hommage an die schweigenden Frauen, die Unglaubliches erlebt und dennoch keine Gerechtigkeit erfahren haben.» Trigon-Magazin

*Filmfestival* Adam

Sonntag 1. November 2020, 16.00 Uhr

*Filmfestival* Adam

Von Maryam Touzani, Marokko, 2019, 98’, Arabisch, d/f

Bildstark fokussiert Regisseurin Maryam Touzani in der gemütlichen, aber kleinen und dunklen Wohnung ihren Blick auf die zwei Frauen, das Mädchen, den Schwangerschaftsbauch – ein ruhiges, sinnliches Kammerspiel. Nur selten geht es hinaus in die von Leben quirlenden Gassen; auf das Dach, wo Wäsche aufgehängt wird und sich der Blick weitet. Das Kinopublikum wird in eine für gewöhnlich verborgene Frauenwelt begleitet. Die Kamerafrau Virginie Surdej hat diese in wunderschönen, warm ausgeleuchteten, in erdigen Farbtönen gehaltenen Bildern eingefangen. Getragen von den starken Hauptdarstellerinnen, ist Adam ein ausnehmend feinfühliger, starker und – nicht nur was die Backkunst betrifft – auch sinnlicher Frauenfilm mit dem urmännlichen Titel. Der Name hat tatsächlich eine grosse symbolische Bedeutung. Im Arabischen spricht man von ‹Banu Adam› und meint damit die Kinder Adams, also die ganze Menschheit, sagt Maryam Touzani. 

«Es geht um das Menschliche in uns allen.»  Radio SRF